Geschlechter-Klischees werden in der Medizin schnell zum Gesundheitsrisiko. Weil Warnsignale bei Frauen vielen Mediziner:innen unbekannt sind, sterben Tausende Frauen pro Jahr an zu spät erkannten Herzinfarkten. Frauen erhalten häufig falsche Diagnosen und Therapien, etwa bei Krebs oder Nervenkrankheiten. In vielen klinischen Studien sind Frauen unterrepräsentiert. Diagnostische und therapeutische Verfahren oder die Dosierung von Medikamenten orientieren sich meist an Männern.1 Sogar Crashtest-Dummys orientierten sich am „Standardmann“, weshalb Frauen bei Autounfällen ein statistisch höheres Risiko für bestimmte Verletzungen haben.
Glücklicherweise ist das Thema Gendermedizin immer präsenter. Die Forschung ist heute deutlich sensibler für Geschlecht, fördert gezielt Frauengesundheit und untersucht Unterschiede systematischer als früher. Medizinische Leitlinien wurden angepasst. Wissenschaftliche Zeitschriften und Förderinstitutionen haben Regelungen zur geschlechtsspezifischen Forschung implementiert.2
Themen wie Endometriose, Zyklus, Schwangerschaft, Geburt, Menopause oder Gewaltbetroffenheit werden stärker als eigenständige Forschungsfelder behandelt. Und auch auf politischer Ebene wird das Thema gefördert: In Deutschland fördert das Gesundheitsministerium Forschungen zur Frauengesundheit mit bis zu zehn Millionen Euro.3 Auch wenn der Wandel noch nicht vollständig in allen Studien, Diagnosen und Therapien angekommen ist – er wird immer präsenter, auch in den Betrieben.